2023

Reinhold Heil, Foto: Jessen Mordhorst

EHRENPREIS
Reinhold Heil

Reinhold Heil traute sich zunächst gar nicht, Komposition zu studieren. Die Voraussetzungen dafür waren ohnehin eher mittelprächtig: er schmiss während der Gymnasialzeit die Plattenabteilung im Elektrogeschäft seines Vaters und erlernte nebenbei das Orgelspiel.
Also studierte er zunächst Tonmeister an der UdK Berlin, als Mittel zum Zweck. Als er 1979 mit dem Diplom abschloss, war er bereits professioneller Musiker und Produzent in der Nina Hagen Band. Soweit klappte also alles genau so, wie er es sich in seinen geheimen Tagträumen seit dem 14. Lebensjahr vorgestellt hatte.

Nach vielen Erfolgen und Misserfolgen mit Spliff, Cosa Rosa, Nena, Kim Wilde, den Rainbirds, Annette Humpe und Rio Reiser hatte er am Ende der Achtziger keine Lust mehr, Popmusik-Produzent zu sein und verfolgte einen anderen Traum: die Mitwirkung als Komponist am Gesamtkunstwerk Film. Dabei sollten neben klassischer Komposition auch Reinholds Hobbies,
kreatives Sampling und elektronisches Sound Design eine Rolle spielen.
So kam es zu einer Neuorientierung in den Neunzigern, die mit dem Umzug nach Kalifornien einher ging. Das hätte nicht so einfach geklappt, wenn nicht vorher Johnny Klimek und Tom Tykwer in sein Leben getreten wären. Mit “Lola Rennt” gelang 1998-99 ein großer internationaler Indie-Erfolg, der dann die eine oder andere Tür in Hollywood öffnete.

Es folgten ein Dutzend Jahre im Teamwork mit Johnny Klimek, an amerikanischen Projekten wie “One Hour Photo” oder “Deadwood”, aber auch vielen Deutschen Filmen, wie “Sophie Scholl” und natürlich, als Trio mit Tom Tykwer, an “Parfum, die Geschichte eines Mörders”, “The International” und “Cloud Atlas” mit den Wachowskis. Neben zahlreichen Nominierungen erhielt Reinhold Heil u. a. den IF Award für den australischen Film „Tomorrow when the War Began“.

Seit 2013 Solo-Komponist, hat er hauptsächlich TV Serien mit Musik versehen, darunter die SciFi Serie “Helix” und die “Deutschland” Serie von Anna und Jörg Winger, die ihm den Grimme Preis einbrachte. Außerdem “Berlin Station”, “Mr Robot”, unlängst mal wieder einen “Tatort” und die HBO-Dokumentarserie “The Vow”.
2020 kam mit der Pandemie das Bedürfnis und die Chance, aus Los Angeles zu entkommen. Reinhold zog nach Hawaii, baute ein Haus mit Studio, lässt im zarten Alter von 69 Jahren gelegentlich ein Film- oder TV-Projekt passieren und schreibt ansonsten wieder Songs auf Deutsch und Englisch, deren Texte eher ungefiltert und politisch sind.

Weitere Infos: https://reinholdheil.com/

Anne J. Dudley, Foto: Privat

INTERNATIONAL AWARD
Anne J. Dudley

Over the course of a varied career, Anne has won an Oscar, a Grammy, a Brit and an Ivor Novello. Her work spans the classical and pop genres and she has collaborated with many leading artists over the years.

She was a founding member of the 1980s electronic music group Art of Noise, whose pioneering experiments in sound remain influential to this day. Artists who have sampled Art of Noise include The Prodigy, Drake and Dua Lipa.
Anne Dudley has composed many scores for film and TV, including The Crying Game, American History X, Elle, Mamma Mia Here We Go Again and the long-running TV series Poldark.

She won an Oscar for her score to The Full Monty. As an arranger and keyboard player Anne was a major part of the iconic Lexicon of Love album
with ABC. She has continued to arrange for such diverse artists as Will Young, Jeff Beck, Seal, Robbie Williams and Emeli Sandé.
Anne has provided four arrangements for the Last Night of the Proms – the latest being a version of Pomp and Circumstance, rearranged for a smaller, socially distanced orchestra in 2020. Anne composed a concert piece for the violinist Joshua Bell entitled „The Man with the Violin“ featuring narration and animation. It was premiered in Washington in February 2017 and Ottawa in December 2017.

In 2017 she received an Ivor Novello award for Outstanding Contribution to British Music.

Weitere Infos: https://www.annedudley.co.uk/about

Peter Hinderthür, Foto: Jessen Mordhorst

 

BESTE MUSIK IM FILM

PREISTRÄGER: Peter Hinderthür
für die Musik zu: Meinen Hass bekommt ihr nicht

Fast unüberschaubar ist das vielschichtige Schaffen von Peter Hinderthür. Vielzählige Filme verschiedener Formate — Kinofilme, Dokumentationen oder Webefilme, internationale Zusammenarbeiten bei Arrangements und Kompositionen — kennzeichnen seine Vita. Doch scheint beim Blick auf die Filmproduktionen, die Peter Hinderthür bislang kompositorisch geprägt hat, ein Thema immer wieder herauszustehen. Es geht um tiefgehende Konflikte, um Menschen an den Grenzen ihrer Moral und ihrer emotionalen Fähigkeiten. Genau um dieses Thema geht es auch in „Meinen Hass bekommt ihr nicht“. Der Film handelt von einem Mann, der bei den Anschlägen von Paris 2015 im Club Bataclan seine Frau und die Mutter seines kleinen Sohnes verliert. Der Film zeigt die emotionale Welt des Witwers, seine Eindrücke, seine Trauer, seine Wut und immer wieder auch seine Hoffnung

Weitere Infos: https://www.peterhinderthuer.com/

David Reichelt, Foto: Emmanuel A. Klempa

 

BESTE MUSIK IM FILM

nominiert: David Reichelt
für die Musik zu: Tage die es nicht gab

Der Komponist David Reichelt wurde 1986 in München geboren. Bereits zu Schulzeiten gewann er mehrere Preise für seine Werke und gab mit verschiedenen musikalischen Gruppierungen als Saxophonist zahlreiche Konzerte in Europa. Er spielte unter anderem bei Fernsehauftritten in der ARD, dem ZDF und dem BR für den Bundespräsidenten und die Bundeskanzlerin.

An der Ludwig-Maximilians-Universität in München studierte David Reichelt zunächst Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Informatik, darauf folgend absolvierte er an der Hochschule für Musik und Theater München den Studiengang Komposition für Film und Medien. Zudem unterrichtete er selbst an der LMU über Jahre hinweg die Fächer Musikgeschichte, Gehörbildung, Musikproduktion, Tonsatz und Analyse.

Als Komponist und Musikproduzent schreibt David Reichelt Musik für Werbung, Kino-, Fernsehfilme und -serien. Obwohl im Ursprung der klassischen Musik und dem Jazz entsprungen, schreibt Reichelt Genre übergreifend Musik fast jeder Couleur.  So trug er zum Chorprojekt Peaceful Choir des World Choir for Peace neben Max Richter, Eric Whitacre und Hans Zimmer eine Originalkomposition bei.

Auch viele Songs wurden bereits in Filmen und Serien veröffentlicht. Mit dem Titelsong „One Single Rose“ aus dem Kinofilm „König Laurin“ gewann er 2017 gemeinsam mit der Sängerin Caroline Adler den Deutschen Filmmusikpreis. Im Jahr 2019 erfolgte erneut die Auszeichnung durch das Kommitee für seinen Soundtrack „8 Tage“ als beste Musik im Film. Der Soundtrack zu der SKY Serie „8 Tage“ wurde im März 2019 von Sony Classical veröffentlicht.

Weitere Infos: https://david-reichelt.com/david-reichelt/

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Richard Ruzicka, Foto: Privat

BESTE MUSIK IM FILM

nominiert: Richard Ruzicka
für die Musik zu: Laufen

Richard Ruzicka (1994) spielt seit dem fünften Lebensjahr Klavier und war als Pianist zusammen mit seinen Brüdern im Trio bei vielen internationalen Konzerten zu hören.
Er durchlief eine umfangreiche Ausbildung in klassischer Musik, die mit der Zeit um viele weitere Genres wie Jazz, elektronische Musik, Metal etc. bereichert wurde. Im Rahmen eines Kompositions-jungstudiums bei Prof. Hans-Jürgen von Bose an der Hochschule für Musik und Theater in München erweiterte sich sein Horizont um den Bereich der Avantgarde. In seiner Musik trifft man oft auf Einflüsse und Verschmelzungen dieser verschiedenen Stile.
2013 begann Richard Ruzicka sein Studium in Komposition für Film und Medien bei Prof. Gerd Baumann an der Musikhochschule in München. Kurz darauf erhielt er eine Nominierung für das Goldene Auge „Beste Internationale Filmmusik 2014“ im Rahmen des 10. Filmmusikwettbewerbes beim Zürich Film Festival. Im selben Jahr begann er mit der Vertonung seines ersten Kinofilms „LENALOVE“. Seit dem arbeitete er an vielen weiteren Aufträgen, so schrieb er während seines Studiums unter anderem die Filmmusik für vier Folgen für die Krimireihe „Tatort“. 2018 gewann er den Rolf-Hans Müller Preis für Filmmusik. 2023 wurde er für den Deutschen Musikautor*innenpreis nominiert.
Zur Zeit komponiert Richard Ruzicka Musik für zahlreiche Kino-, Fernseh- und Serienproduktionen, sowie für weitere Medien, wie Gaming. Neben seiner Tätigkeit als Filmmusikkomponist ist er als Pianist zu hören und schreibt absolute Musik im Bereich der klassischen und elektronischen Musik.

Weitere Infos: https://richardruzicka.com/ueber-mich/

BESTE MUSIK IM BESONDEREN KINDERFILM

Freya Arde (links) & Laudator Ludwig Wright (rechts), Foto: Jessen Mordhorst

Freya Arde

Freya Arde ist Komponistin, Gitarristin und Musikproduzentin und „gehört zu den größten deutschen Talenten im Filmmusikbereich“. Zu ihren letzten Arbeiten zählen die Scores für „The Corridors of Power“ von Oscar Nominee Dror Moreh und „Das geheime Leben der Bäume“ (Constantin Film, Regie Jörg Adolph).

Freya Arde studierte Komposition und Acoustic Guitar an der Hochschule für Musik Dresden. Weitere Studien folgten am Conservatoire National de Paris und an der Filmuniversität Babelsberg im Master Filmmusik.

Für ihr Kinodebüt „Nellys Abenteuer“ (Regie Dominik Wessely) wurde sie 2016 mit dem Deutschen Filmmusikpreis (Nachwuchs) ausgezeichnet. Es folgten Nominierungen bei den Jerry Goldsmith Awards (2017, 2018, 2019) sowie für den Max Ophüls Preis (2018) und für den Deutschen Filmmusikpreis in der Kategorie Bester Song (2019).

Freya Arde arbeitete mit Orchestern wie dem Deutschen Filmorchester Babelsberg, dem Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt und dem Budapest Art Orchestra.

2020 erschien ihre Solo EP „Spirit Awake“. Ihre Single „Moon Window“ (2021) wurde als Teil des Project XII der Deutschen Grammophon veröffentlicht.

Weitere Infos: https://freyaarde.com/

NACHWUCHSPREIS

Hannes Ohde (links) & Chrisna Lungala (rechts), Foto: Jessen Mordhorst

Hannes Ohde

Hannes Ohde ist ein Filmkomponist und Producer aus Düsseldorf. Seinen Weg in die Welt der Filmmusik begann 2020 mit der Nominierung seines Werkes „Bad Tommy“ für das Düsseldorfer „Sound Cinema“. In diesem Stück verarbeitete er seine Erfahrungen aus New York, indem er sie in Klänge verwandelte, um sie zu konservieren. In diesem Moment entdeckte er seine Leidenschaft für die Verbindung von Klang und Emotion.

Entschlossen, mehr solcher Momente zu finden, fand Hannes sie schließlich im Bereich des Films. Angefangen mit Foley und Sound Design, komponierte er 2021 seine erste Filmmusik.
Seitdem entstanden zahlreiche Kurz- und Mittellangfilme, darunter „8 Einhalb Minuten“, der auf dem Music & Cinema Marseille Filmfestival in der Kategorie „Best Score“ präsentiert wurde.
Ein Meilenstein in Hannes‘ bisheriger Karriere ist der Film „ISTINA“, dessen Filmmusik er in enger Zusammenarbeit mit Chrisna Lungala komponiert hat. Der Film „ISTINA“ konnte den Student Academy Award in der Kategorie Narrative für sich entscheiden und wurde darüber hinaus für die student BAFTA Awards nominiert.

Aktuell arbeitet Hannes vor allem an zwei sehr unterschiedlichen Projekten. Zum einen hat er zusammen mit Ruben Vogel das Producer Duo basie gegründet. Die beide Multi- Instrumentalisten nutzen ihr Repertoire an Klängen und Instrumenten, um sich an den Output unterschiedlichster Künstler:innen anzupassen. Zum anderen komponiert er eine
Suite zeitgenössischen Musik für Kammerbesetzung, die sich inhaltlich um einen Sumpf dreht und im Frühling kommenden Jahres aufgeführt werden soll.

Weitere Infos: http://hannesohde.com/

Chrisna Lungala

Chrisna Lungala ist ein Filmkomponist aus München, der sich sein Können und Wissen autodidaktisch angeeignet hat. Trotz einer fehlenden Ausbildung an einer Musikhochschule oder Universität, suchte er den Kontakt zu Filmschaffenden und kollaborierte mit ihnen, um das Komponieren für den Film eigenhändig zu lernen und sein Können stetig zu verfeinern. Die Krönung seiner harten Arbeit lässt sich durchaus zeigen:

Dieses Jahr waren nur zwei deutsche Filme für die renommierten Student Academy Awards nominiert. Und für beide Filme hat Chrisna Lungala die Musik komponiert: ‘Those Who Follow’ von Frederic Kau und der Student Academy Award Gewinner ‘ISTINA’ von Tamara Denić, für den er mit Hannes Ohde zusammenarbeitete.

Durch seine Eigeninitiative und unkonventionelle Art sich an die Filmmusik heranzuwagen, versucht er die Filmmusiklandschaft auf seine eigene Art zu bereichern und hofft vielmehr von seinen Kolleg:innen viel lernen zu können.

Weitere Infos: https://www.chrisnalungala.com/